-----------------------------Das Experiment--------------------------------


40 Tage ohne Kaffee auskommen? Ich denke einmal einige ganz Gesundheitsbewusste werden sagen, "na und? Wo ist dein Problem? Das bringt dir doch X Minuten für dein späteres Leben, ist wie 40 Tage nicht rauchen! Man lebt später länger...." oder auch nicht!

Aber ich will diese Diskusion gleich damit beenden, sowas artet nur aus und führt zu lächerlichen Theorien, wie zum Beispiel der berühmten Kaffeehusten . Ich denke, mir ist diese Idee zu diesem Versuch nur gekommen, da es der erste Tage meines Praktikums war, ich seit 5:30 "wach" war und während meiner Zugfahrt zu viel Zeit hatte um über solche Sachen zu grübeln.

Ich bin einmal gespannt wie es nach den 40 Tagen mit mir aussieht.......... und wie wird wohl die erste Tasse Kaffee oder Espresso schmecken? Tja, finden wir es heraus.... (und nehmt nicht alles so ernst )


**Tag 1 & 2**

Bisher geht es mir noch recht gut, obwohl es gestern eine echte Bewährungsprobe war. Der erste Tag meines Praktikums und natürlich geht in der Regel die Kontaktaufnahme in der Firma zu seinen Arbeitskollegen über die Frage: "Trinkst du auch einen Kaffee mit?" Innerlich rebellierte es zum ersten Mal, sag einfach "ja".... was ist schon dabei. Nein ich blieb aber tapfer, schaute etwas verlegen auf den Boden und sagte, "Kann man bei euch auch heißes Wasser auf setzen? Würde gern einen Tee trinken." Alles eigentlich halb so wild, weil ich ja auch ein großer Teefan bin, aber wenn einem bewusst ist das man bestimmte Dinge nicht mehr darf, dann fällt einem ein "nein" viel schwerer. Aber es kam nach dem Mittagessen noch eine Stufe härter. Eine Abteilungsbesprechung war für diesen Tag angesetzt, sie ging fast 3 Stunden, in der die verschiedenen Leute berichteten wie gerade der Stand ihrer Projekte ist und natürlich mit dem in dem Geschäft üblichen Abkürzungen. Während ich versuchte so gut wie möglich die Gespräche zu verfolgen und mit meiner Mittagsmüdigkeit kämpfte (wie gesagt 5:30 ), fiel mir auf das es in dem Konferenzraum nur eine Kanne mit Tee und 3 Kannen mit Kaffee gab. In der Teekanne war zudem auch nur Früchtetee *aaaaaaaahhhhh* ...... eigentlich sehr lecker, aber nicht das was ich zu dem Zeitpunkt brauchte. Aber irgendwie habe ich es dann doch noch ganz gut geschafft, ein Hoch auf die Willensstärke
.....


**Tag 3 - 9**

Unglaublich, fast 10 Tage ohne Kaffee habe ich schon geschafft Ich hab ja eigentlich erwartet, dass mein Konsum an Süßigkeiten steigen würde, ähnlich wie bei Freunden die Versuchen mit dem Rauchen aufzuhören, bei denen aber die Kaffeetasse zur Hälfte mit Zucker gefüllt ist. Aber bisher würde ich eher sagen, dass meine Verlangen gesunken ist und auch mein Schwarzer-Tee-Konsum gleich blieb.

Problem ist immer noch meine Mittagsmüdigkeit. Total grässlig!!! Meistens muss man sich aber gerade zu dieser Zeit konzentieren, da mein Chef mir noch einmal dies oder das für mein Praktikum und meine Arbeit erklärt. Regelmäßig kommen vereinzelnt oder in kleinen Gruppen die Arbeitskollegen den Flur entlang, lachen, scherzen, diskutieren und stapfen auf dem direkten Weg in die kleine Küche auf unserer Etage. In dieser Küche steht eine herrliche Espresso/Kaffeemaschine, an der man sich immer bedienen darf und nur einen Strich hinter seinen Namen vermerken brauch. Verrechnet wird später !! Der Himmel auf Erden..... ich will auch.....

Da die Küche auch nur 2m von meinem Büroraum entfernt ist, vernehme ich oft sehnsüchtig das Geräusche der "Höllenmaschine", wenn sie mal wieder schnauft und dampft, um die heiße, schwarze Sünde aus ihrem Inneren in eine Tasse zu ergießen......

Ich muss mich an dieser Stelle selber bremsen, sonst schmeiße ich gleich unten die Kaffeemaschine ein. Also mal sehen was die nächsten Tage bringen werden.


** Tag 10 - 22**

So ich habe nun schon über die Hälfte geschafft, **juchu**!! Tja manche Dinge entwickelt sich aber zu immer größeren Herausforderungen, wie zum Beispiel die berühmte Mittagsmüdigkeit. Gerade in der letzten Woche, wo ich wirklich bemüht war wenigstens im Durchschnitt 6 Stunden Schlaf einzurichten. Leider war dies nicht so einfach, daher gab ich am Donnerstag dieses Ziel auf und sagte mir am Wochenende schläfst du dich dann halt aus. Nun bei so relativ wenig Schlaf fühlt man sich morgens meist noch recht fit, aber wehe man kommt vom Essen in sein Büro zurück und die Verdauung fordert vom Körper Ruhe. Sollte man dann noch die Aufgabe bekommen die verschiedensten Exel-Tabellen abzugleichen und nach Fehlern zu kontrollieren, sind die nächsten Stunden geprägt vom zähen Kampf um sein Bewusstsein. Denke einige von euch kennen bestimmt nur zu gut solche "bescheidende" Situationen und werden mir bepflichteten, dass sowas echt nicht lustig ist.

In dieser Zeit der Hilflosigkeit und lächtzen nach Kaffee, machte ich einen unglaublichen Fund bei uns im Keller. Ich war auf der Suche nach einem "Feierabendbier" und als ich in den Kühlschrank blickte traute ich meinen Augen kaum, wie konnte ich das nur vergessen!! Ich zog die Flasche ganz fix aus dem Kühlschrank und betrachtete mit glänzenden Augen die glodgelbe Flüssigkeit. "Na wie kommst du denn hier her?", redet ich mit mir selber. ( Dies ist eine der Nebenwirkungen vom Kaffeeentzug, man fängt an mit Gegenständen zu reden die Koffein enthalten.)

Im matten Schein des Kellerlichtes lass ich laut das Etikett, "Club Mate". Die Hölle muss diese süße Getränk ausgespuckt haben, um jeden der, wie die Motte nach dem Licht, auf der Suche nach einer Erfrischung ist in seinen Sog zu ziehen. Es ist nicht ganz einfach einen Getränkedealer ausfindig zu machen, der dies in seinem Laden führt. Eigentlich müsste man sagen man findet es nicht selber, sonder Club Mate findet dich .....



Sobald ich etwas mehr Zeit habe, werd ich in meinem Kaffee-Oasen-Guid erste Anlaufstellen verraten


**Tag 23 - 33**

Noch eine verdammte Woche muss ich aushalten. Eine verdammt Woche! 7 verdammte Tage! 168 verdammte Stunden! Vorbei die Zeit, in der mich Freunde fragen: "Lust zum Kaffee vorbei zu kommen? Achja du trinkst ja keinen Kaffee (dickes grinsen), aber für dich haben wir auch bestimmt noch einen Teebeutel da."

Ich bin wirklich mal gespannt wie mir der erste Kaffee nach über einem Monat schmecken wird. Wird er mir überhaupt wieder schmecken oder habe ich mich schon davon entwöhnt? Nein das kann nicht sein oder? Mit Spannung werd ich jetzt einmal die nächste Woche abwarten und mein Magen freut sich jetzt schon . Hoffe ich jedenfalls!

Meinen "Club-Mate-Drust" konnte ich gut in den letzten Tagen unterdrücken, auch wenn mir in so mancher Stunde die Augen echt schwer wurden. Dieses Teufelszeug schmeckt mir einfach zu gut ....

---- Vorsicht ----

Den ganzen Tag sich von Koffeinhaltiger Limonade wachzuhalten, ist nicht gut!! Immer viel Wasser dazu trinken oder sich öfters mal selbst schlagen. Ob dieser Tipp allerdings gesünder ist als Kaffee sei mal dahin gestellt.

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So wer meint, dass man wenigstens dann Abends besser schlafen kann, wenn man schon den Tag über mit der Mühigkeit kämpft, den muss ich leider enttäuschen. Ich schlaf immer noch max. 6 1/2 bis 7 Stunden, nur gewisse Mühigkeitsphasem, z.B. Mittagszeit, sind härter.

Auf Kaffee zu verzichten macht also echt keinen Sinn oder


**Tag 34 - 40**

Geschafft!!! Leider komme ich erst jetzt dazu hier noch ein paar Worte anzumerken, da letzte Woche Sonntag schon die First abgelaufen war. Schlimm nur das ich immer noch keinen Kaffee getrunken habe, obwohl meine Fastzeit längst vorbei ist. Gerade die letzten Tage waren eine echte Herausforderung für mich, Mitarbeiter spendiert Kaffee und Kuchen und die größte Versuchung kam dann auch noch letzte Woche Freitag, wo ich eine Freundin in Düsseldorf besuchte und wir in einem StarBucks ladeten. Bequeme Ledersessel, der Duft von den verschiedensten Kaffeesorten und eine Atmosphere, die einen nur dazu einläd den Füßen eine Pause zu gönnen und gedankenverloren an seinem Kaffee zu nippen. Nun muss mich niemand über die bewusste Marketing-Strategie von StarBucks aufklären, von der konnte man schon viel lesen und hören, zudem bevorzuge ich immer noch die traditionellen Cafés. Dennoch war es mein erster Besuch in dieser Ladenkette und da es draußen anfing wieder einmal zu regen, fand ich es sehr angenehm dort.

Die ganze Situation war nicht gerade zum Vorteil meiner Kaffeeabstinenz und so hieß es wieder ab auf die kalte naße Straße.

Zum Schluss kann man nur einen typischen Lehrerspruch anbringen: Wenn man erst einmal ein längere Zeit auf etwas Alltägliches verzichtet hat, weis man es danach erst richtig schätzen. Oder schmeckt mir nun gar kein Kaffee mehr? Steh ich jetzt wieder am Anfang des Kaffeegenießens, wo man nur schwer Kaffee etwas abgewinnen konnte und der bittere Nachgemack einem eine Gänsehaut bescherte? Oder bleibt alles beim Alten? Oder erlebt man eine wahre Geschmacksexplosion des Hochgenusses?

Tja, am besten man probiert es selber aus und im nächsten Jahr verzichte ich vielleicht mal 40 Tage auf jeglichen Koffein .... aber ist sowas überhaupt möglich?